Grafik
Grafik

Zwischen zwei Flüssen

.

Die Jagst, Bild: Touristikgemeinschaft Hohenlohe
Die Jagst, Bild: Touristikgemeinschaft Hohenlohe.

Ungleiche Geschwister


 Beschilderung
Beschilderung.

Infos
START: An der Pachthofscheuer in Ernsbach
KARTE: Freizeitkarte F518, oder L 6722 Öhringen
WANDERSTRECKE: ca. 20 km, etwa 5 Stunden. Nicht für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer geeignet
EINKEHR: Ernsbach, Sindringen, Berlichingen, Jagsthausen und Kloster Schöntal
BESONDERHEITEN: Heimatmuseum Ernsbach, Sindringer Schloss, Kloster Schöntal, Götzenburg Jagsthausen. Wallfahrtskirche Neusaß. Herrliche Ausblicke in die Flusstäler von Kocher und Jagst, von der Kocher-Jagst-Ebene Ausblicke bis in den Odenwald (Katzenbuckel). ANSCHLUSSWANDERUNGEN: Ab Schöntal: Pfad der Stille und Kulturwanderweg durchs gesamte Jagsttal. Ab Sindringen: Limeswanderweg über Pfahlbach nach Öhringen

Interaktive Karte mit Höhenprofil und GPS-Download

Die Zwillingsflüsse Kocher und Jagst und die dazwischen liegende Kocher-Jagst-Ebene bieten dem Wanderer ein abwechslungsreiches Wanderrevier. Der Kocher fließt uns entgegen, auf der Schwäbischen Alb entspringt er, bei Oberkochen, ganz unspektakulär, 120 Kilometer hat er zurückgelegt bis hierher und eine ganze Menge Wasser angesammelt! Gegen den Strom schwimmen? Heute nicht! Wandern ist angesagt und auf(wärts) geht’s, im wahrsten Sinne des Wortes, die Stelzersklinge hinauf, 150 Höhenmeter über uns liegt die Kocher- Jagst-Ebene.

Pferdeweiden und Äcker begleiten uns bis Neusaß. Ein wunderbares Ensemble, Forsthaus mit Linde, eine Wallfahrtskirche aus dem 17. Jahrhundert, dahinter Fischteiche, alles ursprünglich angelegt von den Mönchen des Zisterzienserklosters Schöntal.

Hier ist Verweilen, Rasten, Besinnen Pflicht, der Alltag rückt in weite Ferne! Dem Wasser, das im Quellhäuschen hinter der Kapelle entspringt, wird heilende Wirkung nachgesagt, besonders bei Augenleiden soll es helfen.

Durch die tief eingeschnittene Honigklinge geht’s abwärts ins Jagsttal zum Kloster Schöntal. Schöhntal – Schönes Tal – Schöntal, die Zisterzienser wussten ob der Qualität der Umgegend. Die Jagst (Jagende!) mit klarem Wasser, dem natürlichen Fischreichtum, früher wie heute, herrliche Buchenwälder mit dutzenden Seen für die Fischzucht und nicht zuletzt die Salbei-Glatthafer-Wiesen auf den südexponierten Hängen, ließen keinen Mangel!

Nichts geblieben ist vom Weinbau, der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die sonnigen Hänge beherrschte. Die Reblaus hat alle Bestände vernichtet, deren Trauben früher in Niedernhall, in einer gewaltigen Kelter, erbaut durch Abt Knittel, zu Wein gekeltert wurden. Wieder auferstanden ist der Weinbau in Bieringen, oberhalb des Klosters. Eigentlich brauchts einen ganzen Tag, mindestens, für das Kloster! Die Klosterkirche mit dem Grabmal des Götz von Berlichingen, das barocke Treppenhaus im Archivbau und ein Rundgang durch die Außenanlage, dafür muss Zeit sein, Kaffee oder ein Gläschen Wein im Klostercafé oder in der „Post“, dafür auch.

Das Bildungshaus im Kloster (mit Übernachtungsmöglichkeit), das Waldschulheim des Hohenlohekreises, der Kreuzgang, der Kreuzberg mit seiner Kapelle und der Storchenturm und, und, und…, dazu muss man halt noch mal wiederkommen, ins Hohenloher Land. Jagstabwärts geht’s nach Jagsthausen, einen gewaltigen Steinbruch lassen wir links liegen, in Betrieb ist er, gefährlich, deshalb: „Betreten verboten!“ Nicht für manche bedrohte Tierart, die dort im feuchten Grund oder an den exponierten Steilwänden bereits ein neues Zuhause gefunden hat.

Die Götzenburg zu Jagsthausen, Stammsitz des Ritters mit der eisernen Faust, grüßt von der anderen Jagstseite, ein Abstecher tut Not, oder noch besser, die nächsten Burgfestspiele, jeweils im Sommer, natürlich mit dem „Götz“ und mit einem Kinderstück, werden rasch gebucht!

Wir verabschieden uns von der Jagst, die im Albvorland nahe Ellwangen entspringt und nahezu parallel zum Kocher, das Hohenloher Land durchfließt, und steigen, nicht ohne nochmals auf Jagsthausen zurückblickend, aufwärts zum Stolzenhof und durch Felder und Wiesen über die Ebene zurück zum Kochertal. In Sindringen lohnt ein Blick von der Kocherbrücke flussabwärts in den Kocher auf gewaltige Kiesbänke, und flussaufwärts aufs Wehr.

In den Sommermonaten, nach 4 Stunden Wanderzeit, spricht nichts gegen ein Bad, im Staubereich des Wehres kann man gut und gerne 1 Kilometer schwimmen. Wildenten, Gänse und der eine oder andere Schwan halten sich im tiefen Wasser auf, die seltenen Arten, Eisvogel, Wasseramsel und Gänsesäger, bevorzugen die schnell fließenden und von Menschen wenig frequentierten Bereiche des Kochers. Kormorane, die sich im nahen Naturschutzgebiet bei Ohrnberg sesshaft gemacht haben, ziehen im Schwarm, hoch am Himmel, das Tal hinauf Richtung Ernsbach.

Generell können im ländlichen Hohenlohe zahlreiche Tierbeobachtungen gemacht werden: Rehe, Hasen und mit viel Glück auch Wildschweine.


 Töpfermarkt in Sindringen, Bild: Stadt Forchtenberg
Töpfermarkt in Sindringen, Bild: Stadt Forchtenberg.

Wegbeschreibung

Am Parkplatz bei der Pachthofscheuer in Ernsbach (Heimatmuseum) kocheraufwärts auf dem Rot-Kreuz-Weg durch die Stelzersklinge den Kocherhang aufwärts zum Gestüt Spitzenhof.

Weiter dem Wanderzeichen folgend bis zur Kapelle „Zur heiligen Maria“ im Wallfahrtsort Neusaß. Die Ruhebänke laden zur Rast ein, die Kapelle zur Besichtigung und zu einigen Minuten der Besinnlichkeit. Weiter geht’s an den Fischteichen vorbei zum Kloster Schöntal. Gaststätte und Café laden zur Einkehr, die Barockkirche und das prächtige Treppenhaus der alten Abtei, sind bauliche Höhepunkte des Barock in Süddeutschland!

Wir verlassen das Kloster auf der Südseite und folgen dem Wanderweg mit dem blauen Kreuz jagstabwärts bis Berlichingen, zum Geburtsort des Ritters mit der eisernen Faust. Vorbei am gewaltigen Steinbruch, dem Wanderpfad durch den Prallhang folgend, erreicht man Jagsthausen. Ein kurzer Abstecher (20 Minuten Gehzeit durch den Ort) zur Besichtigung der Götzenburg (Burgfestspiele in den Sommermonaten) lohnt sich.

Unser Wanderweg führt uns am südlichen Ortsrand auf den HW 6, Limeswanderweg, hinauf zum Stolzenhof, über die Kocher-Jagst-Ebene durch Felder und Weiden hinab nach Sindringen. Gastronomie mit Biergarten an der Kocherbrücke. Von hier aus, ohne Wegmarkierung, vorbei an den Sportanlagen, kocheraufwärts, an den Ausgangspunkt der Wanderung, nach Ernsbach.