Hohenloher Gartenparadies

.


Im nunmehr vierten Jahr versammeln sich unter dem programmatischen Titel „Gartenparadies“ Park- und Gartengestaltungen unterschiedlichsten Zuschnitts: Neben barocken finden sich englische, asiatische und private Ziergärten. Im Gestaltungswillen seiner Schöpfer erinnert jeder dieser Gärten daran, dass Gartengestaltung bis weit ins 18. Jh. eine „Kunst“ war.

Die Kunstwürdigkeit bestätigt ein Blick auf die Geschichte des englischen Landschaftsgartens. Die nach der Glorious Revolution an der Wende vom 17. zum 18. Jh. freigesetzten gesellschaftlichen Kräfte finden sich auch in der das Jahrhundert bestimmenden Diskussion zwischen Philosophen, Dichtern, Gartenkünstlern, Politikern und kunstsinnigen Dilettanten wieder. Die sehr englische Theorie des Pittoresken („picturesque“) schlägt hier gleichermaßen eine Brücke von der Gartenkunst zur Malerei wie zur philosophischen Ästhetik. „Pittoresk“ hat dabei nichts mit der dem Begriff heute beigemessenen Beliebigkeit, Behaglichkeit oder gar Kitsch zu tun. Seine Theorie steht typisch englisch am Anfang einer sensualistischen und wahrnehmungspsychologischen begründeten Ästhetik – und ist in seiner Mittelstellung zwischen dem „Schönen“ und „Erhabenen“ (Edmund Burke 1757) sogar spezifisch modern. Bei so unterschiedlichen Denkern wie William Gilpin, Uvedale Price und Richard Payne Knight sind Kriterien des „picturesque“ u.a. der Gefallen an Abwechslung („variety“), überraschender Neuheit („novelty“), Unregelmäßigkeiten („irregularity“), verspielter Kniffligkeit („intricacy“) an Hell- und Dunkel- Kontrasten sowie an einer geschickten Vermengung von Künstlichem mit Natürlichem.

 

Lagen dem französischen Garten noch mythologische Programme zugrunde, so warteten im Landschaftspark englischen Typs Staffage-Architekturen unterschiedlichster Herkunft auf (Ruinen, Zitate gotischer Burgen, Chinoiserien etc.). Hinzu konnten Denkmäler privater oder politischer Emblematik (Freimaurerei) treten. Dass teilweise auch Bäumen und Pflanzungen symbolische Bedeutungen beigegeben wurden, entsprach gleichermaßen dem empfindsamen („sentimental“) wie aufklärerischen Zeitgeist. Zentral für das pittoreske Erleben wurde das buchstäbliche Erlaufen der Sinnbezüge: Szenenfolgen wie im Theater, bestimmte Aussichten wie in einem Gemälde oder philosophische Sichtachsen (bspw. der „Toleranzblick“ in Wörtlitz) erschlossen sich erst im Spazierengehen.

Diese kinästhetische Erfahrung ist uns heute vielfach verlorengegangen. Liegt es darin, dass die Kunst aus heutigen Gärten verschwunden ist oder dass wir Zumutungen eines in Gärten verborgenen Sinns überdrüssig geworden sind? Erhebt nicht erst die Kunst oder der ästhetische Blick eine ausdruckslose wie beliebige Natürlichkeit zu Landschaft, Park oder Garten? Es lohnt sich, in den Hohenloher Gartenparadiesen auf barock-mythologische oder modern-pittoreske Spurensuche zu gehen.

 

Prolog von Dr. Jörg Christöphler, Leiter Tourismus, Kunst und Kultur, Stadt Rothenburg ob der Tauber




.

Gartenträume 2019/20

Broschüre online blättern oder kostenlos bestellen