Wein- & Hoffeste: Festeln und feiern - das ganze Jahr über

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 Susanne Schmezer ist Vorsitzende des Trägervereins, der die Genießertour organisiert.
Susanne Schmezer ist Vorsitzende des Trägervereins, der die Genießertour organisiert..

Die Kochertaler Genießertour gehört zu den Highlights im Veranstaltungskalender der Genießerregion Hohenlohe – Susanne Schmezer, Vorsitzende des Trägervereins, war von Anfang an dabei.

Weinfeste, Weinbergfeste, Weinprobiertage, Wein-Rock- Nacht, Hoffeste und Tage der offenen Keller, aber auch „Weiler brennt“, „Pfedelbacher Brennpunkte“ oder Schnapswanderungen. Wer einen Blick in den Veranstaltungskalender wirft, braucht sich kaum noch Gedanken zu machen, was er in seiner Freizeit unternehmen soll. Rund um Wein und Destillate finden sich dort Angebote satt. Familiär-kleine Geheimtipps, aber auch stark frequentierte Publikumsmagneten. Vielfältig und gesellig. Das ganze Jahr über, vom Hallenfest unterm Himmelreich im Februar bis zum Adventszauber in Geddelsbach. Unbestrittenes Highlight im Kalender ist neben dem fünftägigen Hohenloher Weindorf Anfang Juli in der heimeligen Kulisse von Marktplatz und Schlosshof die Kochertaler Genießertour Ende August zwischen Forchtenberg und Künzelsau. Über dieses attraktive Gesamtpaket aus Wein, Wandern, Landschaft und Genuss haben wir uns mit Susanne Schmezer aus Ingelfingen unterhalten, Chefin eines Weinguts, ehemalige Hohenloher (1985) und Württemberger Weinkönigin (1988/89) sowie erste Vorsitzende des 2015 gegründeten Vereins Kochertaler Genießertour.

 


Frau Schmezer, welche Idee steckt denn hinter der Kochertaler Genießertour?
Schmezer: Die Weinberge im Kochertal flussabwärts zwischen Künzelsau-Belsenberg und Forchtenberg sind der verbindende Rahmen für dieses ganz besondere Wanderangebot in Hohenlohe. Die landschaftliche Schönheit, kombiniert mit der wohltuenden Atmosphäre der Rebhänge, bietet ein erholsames und abwechslungsreiches Wandererlebnis für die gesamte Region. Die Wanderstrecke ist eingebettet in die Kulturlandschaft Hohenlohes, die herrliche Ausblicke in das Kochertal und seine schmucken Städte und Gemeinden ermöglicht. Ausgesucht wurde die Wandertour von Kennern und Experten, die ganz genau wissen, wo es im Kochertal am schönsten ist. Ziel der Genießertour ist es, einer möglichst großen Anzahl von Menschen dieses wunderschöne Kochertal mit seinen kulinarischen Köstlichkeiten und seinen ausgezeichneten Weinen näherzubringen und ihnen mit der Idee, Wein, Wandern und Genuss zu verbinden, ein paar schöne erholsame Stunden zu bescheren.

2018 findet die Genießertour bereits zum 17. Mal statt und sie hat sich im Laufe der Jahre fast zum Selbstläufer mit immer mehr Stammgästen entwickelt. Was ist denn das Erfolgsgeheimnis?
Schmezer: Geheimnisse haben wir ehrlich gesagt keine. Aber wir waren von Anfang an darauf bedacht, den Gästen Kontinuität, eine hohe Qualität der angebotenen Weine und kulinarischen Köstlichkeiten und eine professionelle Umsetzung zu bieten. Und das hat sich sehr bewährt. Hinzu kommt sicherlich auch, dass Wandern und Outdoor-Events bei allen Altersgruppen hoch im Kurs stehen. Zur Abrundung tragen sicher auch die in der Zwischenzeit vielfältig angebotenen Abendveranstaltungen bei. Und letztendlich sind es die Weinbauvereine, Selbstvermarkter, Weinerzeuger und Gemeinden im Kochertal, die mit einem hohen Maß an Idealismus hinter der Sache stehen.

Das Motto der Tour heißt ja „Wein-Wandern-Schlemmen“. Lassen sie uns mal etwas näher auf diese drei Grundpfeiler eingehen. Knöpfen wir uns zunächst mal den Aspekt Wein vor. Wieviele verschiedene Weine und Rebsorten kann der Wanderer denn auf der Strecke probieren? Und wieviele Erzeuger sind dabei?
Schmezer: An den elf Stationen, die man erwandern kann, schenken zur Zeit vier Weinerzeuger ihre Weine aus: die Weinkellerei Hohenlohe, die Weingüter Gaufer, Bauer und Fröscher sowie die Weinmanufaktur Ingelfinger Fass. An manchen Stationen bieten mehrere Erzeuger ihre Weine an. Die Zahl der angebotenen Weine und Rebsorten kann ich nicht exakt nennen, denn dies liegt in der Hand der Standbetreiber und kann von Jahr zu Jahr wechseln. Aber wenn ich vom Jahr 2017 ausgehe, so standen in der Summe 135 Weine zum Verkosten bereit.

Typisch für die Steilhänge des Kochertals ist ja der Muschelkalk. Wie prägt dieser Boden denn die Weine und welche Rebsorten gedeihen auf diesem Boden besonders gut?
Schmezer: Für mich persönlich sind Silvaner und Müller-Thurgau die Muschelkalk-Weine schlechthin. Sie bekommen hier viel Charakter und ihre typischen Aromen mit. Beim Rotwein finde ich den hier traditionsreichen Portugieser nach wie vor unterschätzt. Als Weißherbst ist er einfach fantastisch frisch und fruchtbetont und als ertragsreduzierter Premiumrotwein hat er schon so manchen Weinfreund überrascht.

Dann widmen wir uns jetzt mal dem Aspekt Wandern: Wie lange ist die gesamte Wanderstrecke? Kann man sie eigentlich in beide Richtungen laufen und welche landschaftlichen Reize bietet diese Strecke?
Schmezer: Die gesamte Wanderstrecke geht auf cirka 300 bis 400 Meter Höhe über 15,4 Kilometer den Hang des Kochertals entlang und bietet herrliche Landschaftsbilder, ob in Ingelfingen, Criesbach, Sattelhof, Niedernhall, Weißbach, Büschelhof oder Forchtenberg. Grundsätzlich kann man an jeder beliebigen Station einsteigen und sowohl flussabwärts als auch flussaufwärts wandern. Startet man in Belsenberg an Station eins, erlebt man den ersten tollen Blick, wenn man aus dem Kirchenweg, der übrigens Natur pur bietet, herausläuft und auf das Kochertal trifft. Hier kann man die Aussicht von Künzelsau bis Niedernhall genießen.

 

Ist die Genießertour nur etwas für geübte Wanderer?
Schmezer: Nein, auch für ganz ungeübte Wanderer oder ältere Menschen ist die Strecke bestens geeignet. Die jeweiligen Etappen zwischen den einzelnen Stationen betragen zwischen 1,1 und zwei Kilometer. Wer es ein wenig gemütlicher angehen lassen möchte, kann auch den extra eingerichteten Genießerbus nutzen. Von jeder Station aus kann man in wenigen Minuten eine Bushaltestelle für diesen Pendelverkehr erreichen. Außerdem sind im Genießertour-Ticket die Busverbindungen von Öhringen nach Forchtenberg und von Waldenburg nach Künzelsau bereits enthalten.

Wo auf der Tour ist denn Ihr ganz persönlicher Lieblingsplatz?
Schmezer: Bei dieser Frage erwischen Sie mich auf dem falschen Fuß. Denn selbst bin ich noch nie während der Tour unterwegs gewesen, da ich eine eigene Station bewirte. Ich denke aber, dass jeder Wanderer seinen Lieblingsplatz findet. Der eine dort, wo die Aussicht am schönschönsten ist, der andere, wo der Wein am besten schmeckt.

Da sind wir ja schon beim dritten Aspekt des Mottos angelangt, dem Schlemmen. Wer wandert, bekommt Hunger. Wer Wein trinken will, sollte keinen leeren Magen haben. Was bietet die Kochertaler Genießertour kulinarisch und welche regionalen Spezialitäten werden angeboten?
Schmezer: Einheimische Gastronomen und Caterer versorgen die Gäste an jeder der elf Stationen mit frisch zubereiteten Speisen. Angefangen vom Vesper über Sauerbraten, Maultaschen oder Salate verschiedener Art bis zum Hirschtopf oder Garnelen wird ein sehr umfangreiches Speiseangebot angeboten. Da ist für jeden was dabei. An regionalen Spezialitäten gibt es zum Beispiel Rieslingbratwürste, Damwildbraten mit Trollingersoße, Hohenloher Wildsaubratworscht mit frischem Brot, Winzerwurstsalat oder Burgunderbraten. Für mich ist es jedes Jahr aufs Neue bewundernswert, was unsere Gastronomen in ihren provisorischen Outdoor-Küchen alles bieten. Eine logistische Herausforderung, die alle prima leisten. Die Speisen und Weine stehen übrigens einige Wochen vor der Tour auf unserer Homepage.

Gibt es bei der Genießertour auch ein Rahmenprogramm?
Schmezer: Damit unsere Gäste nach dem Wandern nicht gleich nach Hause müssen, gibt es abends an einigen Stationen noch Musik. Von der gepflegten, stilvollen Livemusik beim Ingelfinger Fass bis hin zum Abfeiern an Gaufers Hütte oder im Niedernhaller Kelterhof ist für jeden Musikgeschmack etwas dabei. Ein weiteres Highlight ist das Feuerwerk an der Station Büschelhof.

Immer mehr Gäste von außerhalb wollen das komplette Genießertour-Wochenende miterleben. Wie sieht es denn da mit Übernachtungsmöglichkeiten aus?
Schmezer: Die örtlichen Übernachtungsbetriebe bieten zum Teil Pauschalangebote für die Genießertour. Manche bieten für ihre Übernachtungsgäste sogar Shuttlebusse für die Heimfahrt. Genaueres kann man aber über unsere Touristikgemeinschaft Hohenlohe erfahren, die gerne Infomaterial zusendet. Aber auch auf der Webseite der Genießertour kann man sich über Übernachtungsmöglichkeiten bestens informieren.

Haben Sie zum Schluss noch ein paar ganz persönliche Tipps für Weinerlebnisse in der Genießerregion Hohenlohe parat?
Schmezer: Wer es gerne etwas ruhiger hat, dem empfehle ich eine geführte Weinwanderung mit unseren Weinerlebnisführern oder den Winzern unserer Weingüter, die das auch anbieten. So ein Weinerlebnis lohnt sich schon für kleinere Gruppen. Denn dabei erlebt man den Weinbau im Kochertal hautnah mit fachkundiger Begleitung und wird mit schönen Weinen unserer Region verwöhnt.