Besen & Weinstuben: Locker, gemütlich und sozial gemischt

.
 Wenn er seinen Gästen einen guten Tropfen vom eigenen Fasswein kredenzen und ein paar lockere Sprüche klopfen kann, dann ist der Forchtenberger Weinstuben-Wirt Frank Winkler in seinem Element. Seine Passion heißt Menschen zusammenzubringen.
Wenn er seinen Gästen einen guten Tropfen vom eigenen Fasswein kredenzen und ein paar lockere Sprüche klopfen kann, dann ist der Forchtenberger Weinstuben-Wirt Frank Winkler in seinem Element. Seine Passion heißt Menschen zusammenzubringen..

Besen? Ach so. Was andernorts Strauß-, Heckenwirtschaft oder Buschenschank heißt, ist in Württemberg der Besen: eine nur zu bestimmten Zeiten geöffnete Weinwirtschaft, in der eigener Wein ausgeschenkt wird und regionale Speisen angeboten werden. Seinen Ursprung hat der Name darin, dass die Besenwirte früher einen Reisigbesen vor die Türe gestellt oder gehängt haben – oft auch in Verbindung mit einer roten Laterne – um zu signalisieren, dass sie geöffnet haben.

 

Frank Winkler, Sänger der Hohenloher Kultband Annâweech, spricht über seinen Arbeitsplatz als Weinstuben- Wirt.

„Hohâloisch, was sunschd“ ist das Motto der Hohenloher Mundartband Annâweech. „Hohâloisch, was sunschd“ ist auch die Devise in den vielen kleinen Hohenloher Besenwirtschaften und Weinstuben, wo sich alles um regionale Genüsse und Geselligkeit dreht. „Hohâloisch, was sunschd“ – ist aber auch das Credo des Forchtenbergers Frank Winkler. In seiner Doppel-Rolle als Annâweech-Sänger und Weinstuben-Wirt ist „Molle“, wie ihn Fans und Freunde nennen, einer der bekanntesten Hohenloher. Für viele ist Annâweech genauso „Kult“ wie Molle und seine Weinstube. Zum Wein hat er als Musiker und Wirt eine besonders innige Beziehung. Zum Beispiel, wenn er „D‘ Seel‘ vom Wei‘“ besingt: „Bisch manchmôôl liâblich, manchsmôôl streng. / Du hasch â Seel – du hasch â Seel, fascht wie ân Mensch.“ Wenn das keine Liebeserklärung ist.

„D Seel‘ vom Wei‘“, aber auch die der Hohenloher, ihrer Gäste und die einer guten Weinstube kennt kaum einer besser als Molle Winkler. Fürs „Weinparadies Hohenlohe“ also ein idealer Gesprächspartner:

Als Sänger der Hohenloher Kultband Annâweech sind Sie Hohenlohes bekanntester Weinstuben-Wirt. Was macht mehr Spaß: Bühne oder Weinstube?
Frank Winkler: Was für eine Frage? Beides gleichermaßen und ein jedes auf seine Art. Das eine ist Tagesgeschäft und wäre ohne Spaß sehr anstrengend. Das andere ist die angenehme Abwechslung. Es ist schön, Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Besen und Weinstuben boomen – bei Einheimischen wie Touristen. Was ist das Erfolgsgeheimnis?
Winkler: Das liegt sicherlich daran, dass diese beiden Gastronomie- Typen sehr individuell und nicht so leicht austauschbar sind wie viele andere Betriebe. Zudem sind die Gäste aufgrund der oft sehr engen Platzsituation gezwungen, mit anderen Gästen zu kommunizieren

 

Besenwirtschaften & Weinstuben in Hohenlohe

Gehen wir mal ins Detail. Wie sieht die ideale Weinstube aus, in der sich der Gast wohlfühlt?
Winkler: Das liegt immer im Auge des Betrachters. Für mich muss das Gesamtpaket authentisch und in sich stimmig sein.

Nennen Sie uns mal ein paar typische Weinstuben- und Besengerichte in Hohenlohe?
Winkler: Alles, was man zusammen mit Sauerkraut essen kann, ist typisch. Das kommt sicherlich daher, dass man im Urbesen nur eigene Produkte verkaufen durfte und das Sauerkraut selbst hergestellt wurde. Zudem waren in alter Zeit die Besen meistens nur in der kalten Jahreszeit geöffnet, weil dann die Wengerter mehr Zeit hatten. In unserer Weinstube sollte man unbedingt die von meiner Frau hausgemachten Maultaschen auf Sauerkraut probieren oder auch die Kutteln.

Besen sind traditionell fleisch- und wurstlastig? Werden dort auch Vegetarier glücklich?
Winkler: Bei uns gibt‘s auch was für Vegetarier. Zum Beispiel vegetarische Maultaschen und Käsespätzle. Ich denke, dass sich die meisten Besen ebenfalls darauf eingestellt haben.

Werfen wir mal einen Blick auf die Gäste?
Winkler: Unser Publikum ist glücklicherweise sehr gemischt in Alter und sozialer Stellung. Das sind Leute, die Gesellschaft suchen und die es gerne ein wenig gemütlicher, individueller, persönlicher, kommunikativer und lockerer mögen.

Wie schnell kommt ein kontaktfreudiger Gast von außerhalb mit Einheimischen ins Gespräch?
Winkler: Die Hohenloher sind im Laufe der letzten Jahrzehnte immer offener geworden. Das höre ich sehr oft auch von Touristen. Das liegt wohl nicht zuletzt an der wirtschaftlichen Entwicklung und Struktur unserer schönen Region. Meine Passion und auch meine Aufgabe sehe ich darin, Menschen zusammenzubringen. Und falls die Kommunikation mal nicht zustande kommt, dann helfe ich halt ein wenig nach.

Ein Weinstuben-Wirt kann viel erzählen. Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Winkler: Das unterliegt in den meisten Fällen der Schweigepflicht. Zudem wüsste ich nicht, wo anfangen und aufhören. Tatsache ist, dass ich täglich viele wunderbare Begegnungen mit interessanten Menschen aus den unterschiedlichsten Winkeln der Welt und mit deren teilweise sehr skurrilen Geschichten habe.