Wein- und Destillatsland Hohenlohe

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Wer H sagt, muss auch W und D sagen

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Die Genießerregion Hohenlohe ist auch ein Land der Weine und Destillate – Weinberge und Streuobstwiesen prägen die Kulturlandschaft.

Wer A sagt, muss auch B sagen. Kennt jeder, dieses Sprichwort. Höchste Zeit es aufzumöbeln. Zumindest fürs „Weinparadies Hohenlohe“: Wer H sagt, muss auch W und D sagen. Sie haben‘s erkannt? H steht für Hohenlohe, W für Wein und D für Destillate. Es liegt auf der Hand, dass die Genießerregion auch Land der Weine und Destillate, der Wengerter (das süddeutsche Wort für Winzer) und Brenner ist.

Fakten und Emotionen
Zunächst ein paar Fakten: 19 Privatweingüter und eine Genossenschaft erzeugen Jahr für Jahr im Schnitt gut sieben Millionen Liter Wein. 386 Brennrechte sorgen für hochprozentige Ergänzung. Knapp 54 Prozent der Fläche des Hohenlohekreises werden landwirtschaftlich genutzt. Jeweils rund 800 Hektar oder knapp zwei Prozent davon für Wein- und Obstbau. Peanuts, könnte man sagen. Doch Fakten sind die eine, landschaftliche, kulturelle und emotionale Aspekte die andere Seite. Denn beide – Wein und Obstbau – sind über Jahrhunderte gewachsen und noch heute prägendes Element der Hohenloher Kulturlandschaft.
Mal atemberaubend steil wie im Kochertal, mal sanft geschwungen wie in der Hohenloher Ebene. Ohne sie wäre Hohenlohe um einiges ärmer. Und nicht zuletzt sind Weine und Destillate mit Emotionen  behaftet. Bei Erzeugern und Konsumenten. Sind ein hart erarbeitetes Genussmittel, das aber letzlich  das Leben reicher und runder macht. Auch und vor allem in der Genießerregion Hohenlohe. Denn Weine und Destillate sind ein Schluck Heimat, der die Kehle kitzelt und die Seele wärmt. Sie gehören zu Hohenlohe wie Sonne zum Sommer und Salz in die Suppe, sind traditionelles Kulturgut, Broterwerb, weicher Standortfaktor und touristisches Aushängeschild.

Wein Sie erinnern sich: Wer H sagt, muss auch W sagen … W wie Wein. Bis in die vorrömische Zeit  reicht im Raum Öhringen die Weinbau-Geschichte zurück, mehr als tausend Jahre sind‘s im Kochertal.  Was damals in die Becher kam, wäre für heutige Gaumen ungenießbar. Bacchus sei Dank, hat sich hier in den letzten 10, 20 Jahren viel getan. Längst ist auch Hohenloher Wein kein müde belächeltes Aschenputtel mehr, haben auch Hohenloher Wengerter den überfälligen Wein-Wandel vollzogen: Weg  von belanglosen Massenweinen, hin zu Klasse statt Masse. Ursache für den Kurswechsel ist nicht nur  ein veränderter Anspruch der Weintrinker, die vermehrt über den Gläserrand des altbackenen heimischen Henkelglases hinausschnuppern, sondern auch der Generationswechsel.

Generationswechsel
Junge, gut ausgebildete Wengerter und Diplom-Oenologen, manche mit Auslandserfahrung, bringen neue Ideen ein, paaren Innovation mit der bewährten Tradition hrer Väter und Vorväter. Und die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern. Mengenreduzierung, Maischegärung, Barriqueausbau und Bio-Weinbau halten Einzug in Köpfe, Keller und Weinberge. Qualitätsfanatiker bei Privatweingütern und Genossen feilen an immer besseren Weinen und wollen auch überregional ein Wörtchen mitreden.

Erfolgreich
Nicht nur bei Landes- und Bundesprämierungen fahren Weine aus Hohenlohe regelmäßig eine Flut von Medaillen ein. Ein paar aktuelle Beispiele: 159 Auszeichnungen hat die Weinkellerei Hohenlohe bei der Landesweinprämierung 2017 abgeräumt, darunter sechs Mal die Höchstwertung „Großes Gold“ und 72 Goldmedaillen. Für Aufsehen haben 2017 aber auch drei Bretzfelder Wengerter gesorgt: Markus Busch aus Dimbach wurde - wie bereits im Vorjahr - bei der DLG-Bundesweinprämierung als Winzer der Jahres 2017/2018 ausgezeichnet, bei der Landesweinprämierung als Landesehrenpreisträger 2017. Ebenfalls als Landesehrenpreisträger wurde das Dimbacher Weingut Schwab geehrt, das  Siebeneicher Weingut Weibler mit einem Staatsehrenpreis. Auch bei internationalen Prämierungen  sind Hohenloher erfolgreich und von Jahr zu Jahr halten mehr Wengerter Einzug in die Weinbibeln Gault Millau und Eichelmann. In den aktuellen Ausgaben für 2018 immerhin sieben Privatweingüter.Bekanntestes Hohenloher Aushängeschild ist hier das Öko-WeingutFürst Hohenlohe-Oehringen, das im „Eichelmann 2018“ gleich mit vier Weinen in den württembergweiten Bestenlisten vertreten ist und in der Gesamtwertung Württemberg nur von sechs Gütern übertroffen wird.

Vielfalt 
Vielfalt prägt das Weinparadies Hohenlohe. Beim Spektrum der Erzeuger, bei Rebsorten, Lagen und Böden. Noch immer ist der Hohenloher Weinbau fest in Genossen-Hand. Mit 550 von 803 Hektar bewirtschaftet die Weinkellerei Hohenlohe knapp 70 Prozent der gesamten Rebfläche des Kreises. Eine Bereicherung im Weinparadies Hohenlohe sind aber auch die 19 Privatweingüter, die sich vor allem in der Hohenloher Ebene und da vor allem in der Gemeinde Bretzfeld konzentrieren.

Rebsorten
Nach wie vor dominieren traditionelle Württemberger Rebsorten wie Trollinger, Lemberger,  Spätburgunder und Schwarzriesling bei den Rotweinen, Riesling bei den Weißen. Aber auch Bewährtes  wie Portugieser, Grau- und Weißburgunder, internationale Sorten wie Merlot, Cabernet franc, Syrah,  Zweigelt, Chardonnay und Sauvignon blanc, Bukettsorten wie Muskateller, Kerner und Muskattrollinger  sowie Neuzüchtungen wie Acolon, Cabernet Mitos, Dorio, Dorsa und Cubin oder Regent haben ihre  Nische gefunden. Wer die Vielfalt erleben will, kann beispielsweise beim Hohenloher Weindorf Weine  aus rund 30 verschiedenen Rebsorten probieren. Unterm Strich werden im Weinparadies Hohenlohe  rund 60 Prozent Rot- und 40 Prozent Weißweine angebaut. Auf der Hohenloher Ebene haben die Roten  – vor allem Trollinger, Lemberger und Burgundersorten – die Oberhand, im Kocher und Jagsttal halten sich Rot und Weiß (vor allem Silvaner und Müller-Thurgau) fast die Waage.

Böden
Was heute in der Weinszene als Terroir diskutiert und geschätzt wird, ist eigentlich nichts anderes als  das gute alte Bodengfährtle. Soll heißen: Neben der Handschrift des Winzers prägt vor allem die  Bodenbeschaffenheit Geschmack und Charakter der Weine. Im Weinparadies Hohenlohe dominieren Keuper und Muschelkalk. So wächst der Wein im Norden des Kreises in den Steillagen des Kocher- und Jagsttals auf mineralhaltigem, sehr durchlässigem Muschelkalk, der die Reben zum tiefen Wurzeln zwingt und auch in Steinriegeln und Weinbergmauern die Landschaft prägt. Ein maßgeschneiderter  Boden für filigrane Weine, vor allem für Silvaner, aber auch für Müller-Thurgau, Burgundersorten und Portugieser.

Für gute Wasserversorgung der Reben und markante und maskuline Weine sorgen im Süden des Kreises auf der Hohenloher Ebene rund um Bretzfeld, Öhringen, Pfedelbach und Neuenstein schwere,  nährstoffreiche und tiefgründige Keuperböden, die prägende Schicht in Württemberg. Ihr teilweise hoher Kiesanteil an der Bodenoberfäche begünstigt die Bodenwärme. Besonders vollmundige Weine   reifen auf dem in einzelnen Lagen vorkommenden Gipskeuper.

Destillate
Sie erinnern sich: Wer H sagt, muss auch D sagen … D wie Destillate. Dazu braucht es Obst. Reif, rund  und aromatisch hängt es Farbtupfern gleich im Herbst an den Bäumen. Ob in modernen,  erntefreundlichen Obstkulturen oder an knorrigen Hochstämmen. Ja, es gibt sie noch, die ökologisch  wertvollen Streuobstbestände und prägenden Eckpfeiler einer traditionellen Kulturlandschaft. Wer im Herbst in  Hohenlohe unterwegs ist, kann die stattlichen Streuobstbäume kaum übersehen. Mal am  Wegesrand, mal auf Wiesen. Wie man sie nicht mehr oft findet.

Streuobstwiesen
Dass es die traditionellen Streuobstwiesen noch gibt, ist auch den heimischen Obstbauern und  Brennern zu verdanken. Denn sie können nur dann erhalten werden, wenn ihr Obst auch verwertet  wird. Bei der Ernte ein ganz schön mühsames, kräftig in Kreuz und Glieder gehendes Geschäft. Doch  die Hohenloher Brenner sind überzeugt davon, dass sich die Mühe lohnt. Auch weil viele alte  Obstsorten wie Öhringer Blutstreifling, Gewürzluiken oder Schlankelesbirnen darunter sind. Deren Aroma verwandeln sie durchs Brennen in flüssige Frucht und hochprozentigen Genuss, erhalten damit letzlich ein Stück Sortenvielfalt und Kultur und leisten so ganz nebenbei einen wertvollen ökologischen  Beitrag. Denn mit rund 5000 Tier- und Pflanzenarten zählen Streuobstwiesen zu den artenreichsten  Lebensräumen in Mitteleuropa und sind ein wertvolles Gen-Reservoir für etwa 3000 Obstsorten. Auch  dank der Brenner hat Baden-Württemberg mit 116 000 Hektar Streuobstwiesen und mehr als neun Millionen Bäumen nach wie vor europaweit die bedeutendsten Streuobstbestände.

Hochprozenter-Hochburg
Auch wenn Obstbau und Brennerei innerhalb der Hohenloher Landwirtschaft alles andere als eine  Hauptrolle spielen, kann man Hohenlohe als Hochburg der Hochprozenter bezeichnen. Wie auf dem  Land so üblich, gehört hier fast zu jeder Landwirtschaft auch ein Brennrecht. 489 notiert der Zoll aktuell für den Hohenlohekreis, von denen 369 aktiv genutzt werden. Dass die Gemeinde Pfedelbach in der Hohenloher Brenner-Szene eine Ausnahmestellung einnimmt, ist längst kein Geheimnis mehr. Mit 314  Hektar Obstanlagen – davon 80 Hektar Streuobstwiesen – ist sie nicht nur Obstbauzentrum Hohenlohes, sondern auch Destillat-Hochburg und wird von ihrem Bürgermeister Torsten Kunkel  ebenso gerne wie häufig als „Schnapsdorf“ tituliert. Wer hat schon 108 Brennrechte, vielfach prämierte Brenner, ausgeschilderte Destillatwege, Aktionen wie die „Brennpunkte“, einen Obstler, den es nirgends anders gibt, und ist dazu noch Heimat der bis 2018 amtierenden Destillatkönigin Anna Schleicher? Keiner.