Die Menschen

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Die Hohenloher sind ein ganz besonderes Völkchen. Auf den ersten Blick nicht sofort als Franken erkennbar und schon gar nicht mit Schwaben zu verwechseln, wenngleich letzteres für nicht-hohenlohische Ohren manchmal nur schwer zu verstehen ist. Die Region Hohenlohe umfasst den Hohenlohekreis, den östlich daran anschließenden Landkreis Schwäbisch Hall sowie den südlichen Teil des Main-Tauber-Kreises (den früheren Landkreis Mergentheim). Hohenlohe ist auch eine bedeutsame Adelsdynastie, deren Regentschaft im Jahre 1806 mit der zwangsweisen Eingliederung ins Königreich Württemberg endete. Die Stärke des modernen Hohenlohes ist es, dass Bürgertum und Adel ein gutes Miteinander pflegen und dadurch gemeinsam sich für den Fortbestand ihres Landstriches einsetzen.

Auch in hektischen Zeiten wird viel Wert auf liebgewonnene Traditionen gewertet. So gehört es einfach zum Leben dazu, die Kärwe, den Pferdemarkt, den Tauben- und Geflügelmarkt oder den Simon Judää-Markt zu besuchen. Auch mit dem Butz den Winter zu vertreiben, den Donnertag Abend am Stammtisch zu verbringen oder den heimischen Wein auf dem Weindorf zu genießen, gehören zu den gemeinsamen Ritualen.



Besondere Eigenheiten

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Hält der Hohenloher sich selbstkritisch den sprichwörtlichen Spiegel vor das Gesicht, fallen ihm nach kurzem Nachdenken doch schon einige seiner Wesenszüge ein: Stur, schlitzöhrig und etwas eigenbrödlerisch.

Auf die guten Eigenschaften angesprochen, sprudelt es dann deutlich schneller aus ihm heraus: Arbeitsam, fleißig und schaffig. Außerdem ehrlich und aufrichtig.

Und nicht zu vergessen: Freundlich, herzlich und nett. Dies wissen die Gäste zu schätzen, denn wenn die angeborene Zurückhaltung erst mal aufgegeben wurde, dann ist die Chance sehr groß, dass es ein Leben lang hält.


Ungewöhnliche Sprache

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In Hohenlohe sagt man untereinander „Häääh?“ und meint eigentlich „Wie bitte?“. Zugegeben, der hohenlohische Dialekt ist nicht immer leicht zu verstehen. Nicht nur von weit angereisten Besuchern, sondern auch schon nicht von Bewohnern der Nachbarregionen. Deshalb soll dieser kurze Sprachkurs eine kleine Hilfestellung geben. Beginnend mit dem bei der Umfrage auf häufigsten genannten Dialekt-Lieblingswort:

Maadlich  – Mädchen.
Eebire (Kartoffeln),
annaweech (egal, jetzt erst recht), Gugummelich (kleine Essiggurke, quasi die hohenlohische Spreewaldgurke), Gsälz (Marmelade),
Gaggelich (Eier),
Gugge (Tüte),
iwwerzwerch (hektisch, aufgedreht, neudeutsch: hyperaktiv),
s Joogschddool (das Jagsttal)
Eebiresalod (Kartoffelsalat),
Blooz (frei übersetzt: hohenlohische Pizza),
Hubbas (Weg- oder Straßenkuppe, Hindernis)

So urig das Land ist, so vielfältig sind auch die Lieblingsschimpfworte der Einheimischen. Der große Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe hat wohl nicht von ungefähr seinen Götz von Berlichingen im hohenlohischen Krautheim an der Jagst sein wortgewaltiges LEMIA rufen lassen. Das weltbekannte Götz-Zitat muss in etwa so geklungen haben: Leck er mi im Oarsch ... Das war damals im Jahre 1516. Heutzutage ist der deutlich kürzer auszusprechende „Seggl“ an Kocher, Jagst und Ohrn angesagt.

Doch es entspräche nicht der natürlichen Kreativität der Hohenloher Schimpfwortakrobatik, gäbe es nicht auch die Verniedlichung des „Seggeles“ oder die Steigerungen – meist mit einem langzogenen DU oder selbstkritischem ICH verbunden: Granade-Seggl, Schoof-Seggl, Lumbe-Seggl oder gar Allmachts-Seggl. Doch auch die tierische Variante „Du / ich Daggl“ und der beinahe schon wieder sympatisch klingende „Simmbl“ gehen den Hohenlohern recht flott über die Lippen.


Tiefsinnige Redensart

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Hohenlohe ist auch ein Land der Philosophen. Der genialste Vertreter dieser Zunft dürfte wohl Carl-Julius Weber – der lachende Philosoph – sein. Bei so einem philosophischen Vorbild wundert es nicht, dass die Sammlung der heimischen Lebensweisheiten entsprechend groß ausfällt.

Unangefochtener Spitzenreiter ist die Redensart „I sooch ned sou und sooch ned sou, sonschd kummd anner und sächd, i häd sou oder sou gsoochd“ (Ich sage nicht so und sage nicht so, sonst kommt einer und sagt, ich hätte so oder so gesagt).

Recht zutreffend für die hohenlohische Seele ist auch die typische Art des Lobens, wenn eine Sache besonders gut gemacht wurde: „Ned gschumpfe is gloubd gnuach“. (Nicht geschimpft ist genug gelobt).

Schließlich noch der Versuch der regionalen Verortung mittels zur Hilfenahme des Dialektes: „Doh wo d Haase Hoose haaße, un wo d Hoose Haase haaße, doh bin i daham“ (Da wo die Hasen Hosen heißen, und wo die Hosen Hasen heißen, da bin ich daheim).